Mikroformate aus Sicht des Anwenders (2): Die wunderbare Welt der Browsererweiterungen

Wie bereits in der Einleitung dieser Artikelserie erwähnt, werden Mikroformate von Haus aus derzeit von keinem Browser ausgewertet. Allerdings gibt es mittlerweile zahlreiche Browsererweiterungen, mit denen Sie die Unterstützung von Mikroformaten nachrüsten können.

Eine Browsererweiterung ist ein optionales Modul, das den Browser mit zusätzlichen Funktionen oder Fähigkeiten erweitert. Browserhersteller definieren Schnittstellen, mit deren Hilfe Erweiterungen eingebunden werden können, entweder eigene oder Erweiterungen Dritter. Auch Programme wie der Flash Player zur Wiedergabe von (interaktiven) Animationen oder das Reader-Plugin zur Anzeige von PDF-Dokumenten sind Browsererweiterungen. Hier geht es jedoch um eine andere Art der Browsererweiterung. Nicht um solche, die zur Anzeige bestimmter Multimedia oder Dokumentformate bestimmt sind, sondern jene Erweiterungen, die den Browser um nützliche Funktionen ergänzen.

Folgende Browsererweiterungen sorgen dafür, dass Ihr Browser Mikroformate erkennt und verarbeitet. Besonders viele sind es derzeit leider nicht. Sollten Sie weitere empfehlenswerte Browsererweiterungen kennen, würde ich mich freuen, wenn Sie diese ähnlich ausführlich in Form eines Kommentars vorstellen würden.

Wie genau Sie die Erweiterungen einsetzen, lesen Sie in den weiteren Artikeln dieser Serie.

Firefox

Die meisten Erweiterungen gibt es für den Browser Firefox und verwandte Browser wie SeaMonkey oder Netscape Navigator ab Version 9. Dort werden Browsererweiterungen im Allgemeinen »Add-on« genannt. In all diesen Browsern verläuft die Installation von Add-ons ähnlich. Sie wird auf der Seite Erweiterungen installieren – wie geht das? anschaulich beschrieben. Für Mikroformate sind folgende Erweiterungen interessant.

Tails Export

Die Erweiterung Tails Export lässt ein Mikroformate-Icon aufleuchten, wenn Mikroformate auf einer Seite erkannt werden. Wenn Sie auf dieses Icon klicken, erscheint eine Seitenleiste, welche alle erkannten Mikroformate auflistet. Damit können Sie erkennen, ob es Mikroformate auf der Seite gibt, und sich diese anzeigen lassen oder exportieren.

Operator

Operator ist eine hervorragende Erweiterung für Entwickler und Anwender. Nach der Installation steht eine weitere Werkzeugleiste zur Verfügung, die sich ähnlich wie die Navigation- oder Lesezeichensymbolleiste oben bei den Browserschaltflächen einrichtet. Wenn Operator Mikroformate auf einer Webseite erkennt, so werden die entsprechenden Schaltflächen aktiv. Operator erkennt sehr viele Formate und bietet eine Vielzahl von nützlichen Hilfsmitteln an.

Am Rande bemerkt: Im Firefox 3, der voraussichtlich Anfang 2008 erscheinen wird, werden Mikroformate auch schon von Haus aus unterstützt.

Safari

Für Safari gibt es derzeit nur eine ernst zu nehmende Erweiterung.

Safari Microformats plugin

Das Safari Microformats plugin lässt sich nur im Safari 3 in Verbindung mit Mac OS X Leopard installieren. Es lässt das Mikroformate-Logo aufleuchten, wenn es Mikroformate auf der Webseite entdeckt hat. Per Klick auf das Logo lassen sich die gefundenen Formate in andere Programme importieren.

Internet Explorer

Für den Internet Explorer gibt es derzeit keine Erweiterung für Mikroformate. Statt dessen gibt es ein so genanntes »Bookmarklet«. Ein Bookmarklet (auch »Favelet« genannt) ist ein kleines Skript, das als Lesezeichen (Bookmark) abgespeichert wird. Wenn es aufgerufen wird, führt der Browser das Skript aus.

Um ein Bookmarklet zu installieren, fügen Sie es einfach ihren Favoriten hinzu (Rechtklick auf den Bookmarklet-Link > Zu Favoriten hinzufügen…).

Microformats Bookmarklet
Den Link zur Installation des Microformats Bookmarklets finden Sie unterhalb des Screenshots auf der verlinkten Seite. Wird das Bookmarklet aufgerufen, dann öffnet sich ein »Fenster im Fenster«, in dem alle Mikroformate angezeigt werden, die das Bookmarklet erkennt. Leider ist der Nutzen des Bookmarklets eher gering. Zum einen werden bei weitem nicht alle Formate erkannt, zum anderen ist nicht zu erkennen, ob die Seite Mikroformate enthält oder nicht – erst dann, wenn Sie das Bookmarklet ausführen, erhalten Sie eine entsprechende Meldung.

Auch hier ist anzumerken, dass Microsoft angekündigt hat, Mikroformate im Internet Explorer 8 zu unterstützen, mit dem ebenfalls Anfang 2008 zu rechnen ist.

8 Reaktionen zu “Mikroformate aus Sicht des Anwenders (2): Die wunderbare Welt der Browsererweiterungen”

  1. markus

    Ich habe noch die Erweiterung Webcards für Firefox getestet.

    Surft man eine Webseite mit eingearbeiteten Mikroformaten an, so erscheint am unteren Browserrand ein kurzer Einblender mit den Typen. Ebenfalls erscheint eine Info, wenn man mit der Maus über einen Microformats-Bereich fährt.

    Wie von ähnlichen Erweiterungen gewohnt, kann man Kontakte, Events usw. exportieren oder in anderen Web-Services weiternutzen. Allerdings sind noch nicht sehr viele Services integriert und der »Create«-Button funktioniert nicht oder ich kann ihn nicht bedienen. 😉

    Im Moment kämpfe ich noch mit einigen Problemen: So werden meist nicht alle eingebauten Formate entdeckt oder sie werden schlicht nicht richtig verarbeitet (Aktionen für falsche Formate). Aufgefallen ist mir auch, dass zum Beispiel Events nicht vollständig exportiert werden, die Daten können zum Beispiel von Sunbird nicht eingelesen werden.

  2. Karsten

    Eine sehr schöne Idee! Schließlich fehlt in all der Diskussion um Mikroformate die Sicht des Anwenders. Webdesignern muss man womöglich den Sinn und Nutzen von Mikroformaten nicht mehr erklären. Aber die breite Masse der Surfer hat davon so gar keine Ahnung.

    Allerdings fehlt mir in beiden Artikeln ein ganz wesentlicher Punkt: Killerargumente für das Verwenden von Mikroformaten durch den Surfer. Du beschreibst sehr schön, was (X)HTML ist, wie Mirkoformate (X)HTML erweitern und stellst Browsererweiterungen vor.
    Das nutzt dem Surfer gar nichts, solange er noch nicht mitgeteilt bekommt, was denn nun für ihn der Mehrwert ist. Marketing sieht eigentlich anders aus.

  3. MI

    @Karsten

    Ruhig Blut, Karsten. 🙂 In dieser Serie werden noch einige Artikel folgen, in denen ich genau das, was dir derzeit noch fehlt, zeigen werde.

  4. Rainer

    Es geht ja nicht nur um Killerargumente und den Mehrwert für die Nutzer. Die breite Anwendbarkeit ist leider nur denen gegeben, die was damit anzufangen wissen. Sprich, die Interessierten müssen sich eben kümmern, wie sie Mikroformate erkennen und nutzen können. Die Biester können noch so nützlich sein, im Kurs »Senioren ans Netz« werden die vielleicht nie ankommen, wenn Ihr versteht, was ich meine. 😉

    Es bleibt ein Kreuz mit den Browsern und der Unmöglichkeit, Funktionen reinzudrücken, die der Entwickler für sinnvoll hält. Oder?

  5. Michael van Laar

    Nachteil bei Tails Export: Bei allen Firefox-Installationen, auf denen ich es bisher eingesetzt habe, kam es zu schweren Störungen in der Tastaturfunktionalität in Adresszeile und Formularfeldern. Navigieren (Pfeil links und rechts, Pos1, Ende usw.) sowie Strg+C und Str+V funktionieren sehr häufig nicht korrekt. Deshalb habe ich das Add-on wieder deinstalliert, auch wenn es mir ansonsten sehr gut gefiel.

  6. Peter

    Ich kann mir vorstellen, dass Mikroformate, einer Suchmaschine spezifische Information liefern können. Die dem Benutzer ein gezielteres Suchergebnis seiner Anfrage liefern. Welchen Mehrwert für einen Internetbenutzer durch Mikroformate entstehen entzieht sich meinen Kenntnissen.

  7. Nik

    >>dass Mikroformate, einer Suchmaschine spezifische Information liefern können.
    Sollten das nicht die Meta Information machen ???

    Was in den Artikeln glaub ich noch fehlt ist der zusammenhang/unterschied zw. den Formaten. zB.: hCard vcard .

  8. Nebcherwenaton

    Der Unterschied zwischen Tails Export und Operator für den Firefox besteht darin, dass Tails Export leider nicht alle „vevents“ auch richtig handeln kann. D.h.: sollte der Text in der Klasse „descriptions“ zu lang sein, erkennt das Programm „vevent“ nicht als solches.
    Zudem kann man mit Tails Export nur einzelne Events downloaden, während der Operator es zulässt alle Termine der Seite zu exportieren und zu aktualisieren. Zwar sieht es schon sehr nett aus, wenn alle Termine hübsch orange unterlegt in einer Sidebar erscheinen, aber frustrierend ist es, wenn man den gewünschten Termin nicht in seinen Terminkalender exportieren kann, weil Tails Export ihn nicht erkennt. Aber da ist der Name wohl Programm.